Wo stand das Lustschloss? – Ein Klärungsversuch

Von Dr. Brunhilde Bross-Burkhardt

 

In wenigen Archivalien und Beiträgen über Bartenstein wird ein Lustschloss erwähnt. Vermutet wird (laut Ortslegende und dargelegt bei Reimann) bisher ein Standort links der Verbindungsstraße zur Kaiserstraße und nördlich vom Jungholz. Ich hingegen bringe einen ganz anderen Standort für dieses Lustschloss in die Diskussion ein, was ich mit einer Karte, mit schriftlichen Quellen und einem Gedankenspiel begründe. 

 

Den entscheidenden Hinweis gab mir ein Blick auf die Schmitt’sche Karte, eine Militärkarte des Kriegsministeriums in Wien von 1797. Auf dieser Karte führt eine Allee von der seichten Senke des Katzenbachs schräg auf die nordwestliche Ecke des Jungholzes zu, etwa dem Verlauf der heutigen Teerstraße zum Sportplatz folgend. An dieser Ecke ist in der Vergrößerung eine zweigeteilte Gebäudesignatur zu erkennen. Ob es sich hier um das in Archivalien erwähnte Lustschloss handelt? Ich halte dies aus mehreren Gründen für sehr wahrscheinlich und beziehe mich auf folgende Quellen: 

 

  1. Die Gebäudesignatur auf der Schmitt'schen Karte am nordwestlichen Rand des Jungholzes ist eindeutig; in dem Areal zwischen Hornungshof und Riedbach ist keine anderes Gebäude eingetragen.
  2. Die Angabe in der Oberamtsbeschreibung Gerabronn lässt sich ebenfalls so interpretieren. Dort werden "die an dem Weg nach Riedbach angelegten englischen Anlagen" erwähnt, wo mit hoher Wahrscheinlichkeit das Schlösschen stand. – Der Fußweg nach Riedbach verlief tatsächlich früher und noch zu meiner Kinder- und Jugendzeit durch das Jungholz, weil dies die kürzeste Verbindung war. Den Wald betrat man an der nordwestlichen Ecke.
  3. Und schließlich steht in der Veröffentlichung von Moser von 1843  (siehe exakte Quellenangabe unten) unter dem Stichwort "Hornungshof": "Unweit davon ist ein dem Fürsten gehöriges Lustschloß, zu welchem von Bartenstein aus eine Allee führt." – Die Schmitt'sche Karte bildet genau diese Situation ab. Allerdings im Jahr 1797; 1843 existierte das Bauwerk wohl bereits nicht mehr, weil es weder auf der Urkarte noch auf der Flurkarte erscheint.

 

Noch ein anderer Aspekt spricht für exakt diesen Standort am Jungholzrand: die Topographie. Fürst und Fürstin konnten ihren erlauchten Besuchern von diesem hoch gelegenen Punkt einen Blick auf Schloss und Stadt bieten und sie so womöglich beeindrucken. – Wenn ich mich in einen Landschaftsarchitekten des ausgehenden 18. Jahrhunderts versetze, hätte ich unbedingt diesen Platz wegen seiner Erhabenheit, die Landschaftsgestalter zu der Zeit anstrebten, gewählt und nicht einen Platz in einer feuchten Senke neben dem Feuerlöschteich.

 

Lustschlossstandort neben Teich in Frage gestellt

Das Areal östlich des einstigen Feuerlöschteichs, auf dem das kleine Gebäude wegen des Flurnamens "Schlößlensfeld" vielfach verortet wird, halte ich als Standort aus drei Gründen für ziemlich unwahrscheinlich: 

  1. Es fehlt der kartographische Beleg; auf keiner Karte ist hier ein Gebäude eingezeichnet, weder auf der Schmitt’schen Karte, noch auf der Urkarte und der Flurkarte. Es gibt nur indirekte Hinweise, die man auch anders deuten kann.
  2. Der Boden ist sehr feucht, in dem Areal entspringen Quellen. Für ein Gebäude hätte hier ein stabiles Fundament eingelassen werden müssen. 
  3. Der Platz bietet keinen weiten Ausblick und keinen Blick aufs Schloss, er ist nicht „erhaben“.
  4. Der Galgen, das „Hochgericht“, auf dem tatsächlich noch 1786 ein Mörder hingerichtet wurde, befindet sich in unmittelbarer Nähe, nur wenige hundert Meter östlich gelegen. Kaum zu glauben, dass man Prinzessinnen und Festgesellschaften die Nähe zu einem solchen Ort mit womöglich negativer Ausstrahlung zumuten wollte.

 

Und auch bei diesem Gedankenspiel beziehe ich historische Karten mit ein: die gezeichnete Urkarte, ins Verhältnis gesetzt zur gedruckten Flurkarte. Interessanterweise ist auf der 1833 von Hand gezeichneten Urkarte in dem Areal der Flurname „Rosenäcker“ eingetragen und zwischen dem Ortsrand von Bartenstein und dem Jungholz die Flurnamen "Schlißelacker" und "Herrenfeld". Diese ursprüngliche Karte wurde von den Ortsansässigen revidiert. Auf der Basis dieser revidierten Version wurde dann eine Lithographie gefertigt. Diese als „Flurkarte“ bezeichnete Kartenversion, die im Internet leicht zugänglich ist, ziehen Forscher üblicherweise heran. Und erst hier, auf der gedruckten Karte erscheint nördlich vom Jungholz der Name „Schlößlensfeld“. Dieser Unterschied ist offensichtlich.

Falsche Zuordnung, Verballhornung des Flurnamens „Schlißelacker“, falsche Erinnerungen der Grundbesitzer etc. könnten Gründe für die abweichende Benennung sein. Wie auch immer – die Angabe des Flurnamens „Schlößlensfeld“ auf der Flurkarte ist kein Beweis für die Existenz eines wie auch immer ausgestalteten Schlösschens, zumal gar kein Gebäude eingetragen ist. Die historischen Karten und die anderen Quellen müssen vielmehr interpretiert, in einen zeitlichen und räumlichen Zusammenhang gesetzt und mit gedruckten Quellen abgeglichen werden. Leider stehen so gut wie keine gedruckten Quellen zur Verfügung, die letztlich Klarheit über Bauwerke in dem fraglichen Areal schaffen würden. Lediglich der Teichbauplan ist im Hohenlohe Zentral-Archiv vorhanden.

 

Da blitzt noch ein Gedanke auf, der den Widerspruch auflösen würde: Womöglich existierten für kurze Zeit zwei schlösschenartige Gebäude am Jungholzrand!

 

Quellenangaben und Literatur:

Rudolph Friedrich von Moser: Vollständige Beschreibung von Württemberg, in allen seinen Städten, Dörfern, Flüssen, Bergen, Merkwürdigkeiten, wichtigen Ereignissen ec: ein geographisch-statistisch-topographisches Hand- und Hausbuch für Beamte, Kaufleute, Gewerbetreibende ec. : in alphabetischer Ordnung nach den ..., Band 1, 1843, S. 601, Digitalisat

 

Reimann, Anne, Reimann, Claus: Bartenstein wie es früher war. Von Handwerkern, Hofräten und Lakaien. Niederstetten 2009

Digitalisierte Urkarten im Landkreis Schwäbisch Hall, abrufbar unter https://gis.engeo.de/gisbis/syn-server?client=flexjs&project=-buergergis-sha&language=-de&basemapview=urkarte&view=gebaeude

 

StAL EL 68 VI_Nr. 6567.tif

StAL EL 68 VI_Nr. 6568.tif

 

 

 

 

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