Der Grund für das bourbonentreue Verhalten und den Kriegseintritt des Bartensteiner Fürstenhauses gegen die französischen Revolutionstruppen (hierzu folgt ein separater Artikel auf dieser Webseite) liegt in Oberbronn, einem Teil des Kleinstaates Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein. Der in Oberbronn geborene Historiker Eduard Haug klärt in seinem Aufsatz „Aspekte der Französischen Revolution im Elsaß“ darüber auf. Teile von Niederbronn und zwei Drittel von Oberbronn im Elsass waren 1727 durch Erbe über die Landgräfin Sophia Maria Friderica Charlotte von Hessen-Homburg in den Besitz der Bartensteiner gelangt. Wegen der großen Entfernung von Bartenstein (ca. 200 Kilometer, entsprechend mindestens vier Tagesreisen mit der Kutsche) setzte die Herrschaft Verwalter ein, die den bereits beim Erbgang hochverschuldeten Besitz teils schlecht verwalteten. Nutznießender Administrator des Besitzes wurde Joseph Christian Franz (1740–1817), der zweitgeborene Sohn der Gräfin und späteren Fürstin, der im Domkapitel in Straßburg wesentlich näher an Oberbronn lebte als sein Bruder in Bartenstein und dort nach dem Rechten schauen konnte. Eigentümerin blieb weiterhin die Fürstin bis zu ihrem Tod 1777. Um die große Schuldenlast zu mindern verkaufte Fürstin Sophia 1764 nach dem Tod ihres Mannes Karl Philipp einen Teil des Besitzes an den Freiherren De Dietrich, darunter Zinsweiler (heute Zinswiller) mit einer Hammerschmiede. Dessen Familie machte aus der dortigen Hammerschmiede einen blühenden Betrieb. Der Betrieb agiert heute weltweit an 25 Standorten. http://www.dedietrich.com/en
Dass Zinsweiler einmal zum Kleinstaat Hohenlohe-Bartenstein gehörte, davon zeugt das gusseiserne Brunnenbecken im Hof des Bartensteiner Schlosses, das in Zinsweiler gefertigt wurde (siehe Foto unten).
Nach Sophias Tod wurde Joseph Christian Franz Herr von Oberbronn, nachdem sein Bruder Ludwig Leopold, der regierende Fürst von Bartenstein, verzichtet hatte.
Die Bartensteiner Prinzen im Elsass
An der Stelle muss, statt einer Fußnote, erwähnt werden, dass Joseph Christian Franz als Domscholaster und Chorbischof ein hohes Amt im Domkapitel Straßburg der Jesuiten innehatte; ein weiterer Bruder, Christoph, war ebenfalls Domherr in Straßburg. Ab 1785 besuchte die Bartensteiner Herrschaft Oberbronn wieder häufiger, wohl auch, um die Heilquellen in Niederbronn zu nutzen. Joseph Christian Franz ließ das alte Renaissanceschloss abreißen und ein neues stattliches Schloss im klassizistischen Stil erbauen, verschuldete den Besitz dabei noch mehr.
Karl Joseph, der zweitgeborene Sohn des Bartensteiner Fürsten Ludwig Leopold, erbte 1788 den Besitz von seinem Onkel, als dieser Fürstbischof von Breslau wurde, und übernahm – unmittelbar vor der Französischen Revolution – die Herrschaft von Oberbronn. 1789 endete die Feudalherrschaft in Oberbronn. Der Besitz blieb zwar zunächst bei den Bartensteinern, bei dem Revolutionsgeschehen war aber zu befürchten, dass er verloren gehen würde. Die Bartensteiner setzten alle Hebel in Bewegung, um diesen Besitz zu halten und zogen dafür für die Bourbonen in den Krieg.
Es muss ein ansehnlicher Besitz gewesen sein, ein schönes Schloss, einträgliche Güter, große Waldungen wie Eduard Haug ihn beschreibt und: „Es war kein kleiner Brocken, um den sich der Zweig Bartenstein des Hohenloher Fürstenhauses bemühte.“ (Hierzu ausführlich dort auf Seite 307) Auch nach dem Verkauf von Teilen der Herrschaft an den Freiherren von Dietrich brachte der Besitz noch 15 000 Gulden jährlich ein. Aus dem Elsass flossen den Bartensteinern also regelmäßig Gelder zu, eine Pfründe, die sie sich erhalten wollten. Die aufwändige Hofhaltung in Bartenstein musste schließlich finanziert werden. Im dritten Revolutionsjahr 1791 wurden noch 10 885 Gulden aus Feudalrechten verbucht, die über den Rhein geschmuggelt worden waren; hinzu kam der Ertrag aus 40 Hektar Privateigentum der Herrschaft. Dem standen allerdings hohe Schulden gegenüber. Beim Domkapitel Straßburg hatten die Bartensteiner hohe Summen geliehen und bezahlten Zinsen dafür. Eduard Haug schreibt dazu: „Die beiden Onkel Josef und Christian hatten als Mitglieder des Domkapitels leicht Zugang gehabt zu den Geldern, die dieses auslieh, und scheinen davon reichlich Gebrauch gemacht zu haben, bzw. das Domkapitel stand bei anderen Gläubigern für ausgeliehene Gelder gut.“
Quellen:
Eduard Haug: Aspekte der Französischen Revolution. Zu deren Ablauf im ehemaligen hohenlohischen Oberbronn (Unterelsass). In: Jahrbuch für Württembergisch Franken Nr. 74 (1990), S. 295–403
Gerhard Seibold: Hohenlohe und Frankreich. Ein Beitrag zur Geschichte des Fürstenhauses im 19. Jahrhundert. In: Württembergisch-Franken 71 (1987), S. 21-57
Aus dem Leben des Fürsten Karl Joseph zu Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein-Jagstberg. In: Archiv für Hohenlohische Geschichte 2 (1870)
Das gusseiserne Brunnenbecken im Schlosshof erinnert an den einstigen Besitz des Fürstenhauses Zinsweiler im Elsaß mit seiner Eisenhütte. Foto: Archiv Brauns