Bartenstein und die Emigranten im Zuge der Französischen Revolution 

Von Dr. Brunhilde Bross-Burkhardt

Zum Verständnis der Geschichte Bartensteins muss man die französischen Emigranten, die in den 1790er-Jahren in dem Residenzstädtchen lebten, in den Blick nehmen. Etwa 2000 Emigranten sollen im Verlauf von zwei Jahren im Kapuzinerhospiz („Hospiz“ bedeutete in einem anderen als dem heute verstandenen Wortsinne früher „Herberge“) hinter dem Schloss untergebracht und gespeist worden sein, wie Karl Joseph in seinen Lebenserinnerungen als Fürst zu Hohenlohe-Jagstberg schreibt. Von diesen französischen Emigranten zeugt noch das Grabmal der Gräfin de Dreux auf dem Friedhof in Bartenstein.

Die Revolutionsflüchtlinge – Adlige, wohlhabende Bürger und Kleriker – kamen nicht nach Bartenstein tief im Römischen Reich Deutscher Nation, weil es dort so friedlich war, sie folgten vielmehr der – berechnenden – Einladung von Fürst Ludwig Leopold. Die Einladung diente letztlich dem Zweck, den wertvollen Besitz in Oberbronn im Elsass, an dem die Bartensteiner bereits im ersten Revolutionsjahr die Feudalrechte verloren hatten, zurückzubekommen (siehe dazu separater Beitrag). 

 

Kalkül der Bartensteiner

Als einer von sehr wenigen Reichsfürsten setzte Ludwig Leopold sich für die französischen Emigranten ein, wohl auf Anraten seines Bruders Joseph Christoph Franz; in anderen Gebieten im Südwesten waren die Emigranten dagegen nicht willkommen. Die Familie Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein wollte sich die vom Thron gestürzte Bourbonendynastie gewogen machen, in der Hoffnung, dass diese Napoleon besiegen und das revolutionäre Treiben rasch beenden würde. Und sodann alles wieder seinen alten Gang gehe. Dass die Zeiten des Feudalismus vorbei sind, begriffen, so interpretiert Eduard Haug in seiner Abhandlung „Aspekte der Französischen Revolution“ dieses Verhalten, weder Fürst Ludwig Leopold, noch seine beiden Brüder Joseph Christoph Franz und Christian, beide hochrangige Würdenträger des Straßburger Domkapitels, das als vornehmstes im Reich galt.

 

Die Bartensteiner verbündeten sich deswegen mit Mitgliedern der französischen Königsfamilie, dem Hause Bourbon. So nahm das Verhängnis und das sinnlose kriegerische Geschehen seinen Gang.

 

Bourbonentreue kostet Hunderte Soldatenleben

Ludwig Leopold erlaubte 1792 der Emigrantenarmee, der „Armée de Condé“ unter Louis VI. Henri Joseph de Bourbon, prince de Condé, sich in seinem Kleinstaat aufzuhalten. Doch nicht nur das: Ludwig Leopold und Karl Albrecht von Hohenlohe-Schillingsfürst hatten sich zudem bereit erklärt, zwei Regimenter aufzustellen und in den Dienst der Emigrantenlegion zu stellen. Im Juni 1792 wurden die Regimenter unter das Kommando der beiden Söhne Fürst Ludwig Leopolds – Ludwig Aloys und Karl Joseph – gestellt. Beide kämpften 1793 mit der Armee der emigrierten französischen Prinzen. Nur wenige der etwa 900 angeworbenen Soldaten, vor allem aus Pfedelbach und Schillingsfürst, kehrten in ihre Heimat zurück. (Wie stark diese Armeen waren, lässt sich nicht genau sagen; die Angaben in den Quellen sind unterschiedlich. Adolf Fischer nennt in „Geschichte des Hauses Hohenlohe“ 2000 Mann pro Regiment, was wohl zu hochgegriffen ist.) Und das alles, um das Oberbronner Vermögen der Bartensteiner, das auf  1.108.660 Gulden veranschlagt wurde, zurückzubekommen.

 

Entschädigung im Zuge der Säkularisation

Erst als die Bartensteiner Fürsten die Aussichtslosigkeit dieser Bemühungen sahen, strebten sie an, für den linksrheinischen Besitz im Elsass entschädigt zu werden. Das gelang schließlich. Hohenlohe-Bartenstein wurde 1803 im Zuge der Säkularisation mit den Ämtern Braunsbach am Kocher, Haltenbergstetten mit Laudenbach (wozu Niederstetten und umliegende Ortschaften gehörten) und Jagstberg (mit Mulfingen und umliegenden Ortschaften) aus dem Besitz des Hochstifts Würzburg auf rechtsrheinischem Gebiet entschädigt. Die Ämter Haltenbergstetten und Jagstberg grenzten zu der Zeit direkt an das Fürstentum Bartenstein an bzw. lagen nicht weit entfernt davon. Das Gebiet dieser neuen Fürstenlinie liegt auch in der heutigen kommunalen Ordnung unweit des Teilorts Schrozberg-Bartenstein. Der einstige Besitzer von Oberbronn Karl Joseph wurde somit zum Fürst von Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein-Jagstberg. 

 

Feudalherrschaft endet

Nur wenige Jahre später, am 12. Juli 1806, war es mit der Feudalherrschaft auch in rechtsrheinischen Landen vorbei. Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein-Jagstberg kam unter württembergische Oberhoheit. Die Standesherren behielten jedoch weitreichende Sonderrechte, die Volker Stalmann in „Die Familie Hohenlohe - ein geschichtlicher Überblick“ benennt. Die Fürsten konnten die Gerichtsbarkeit erster und zweiter Instanz, die Polizeiverwaltung, die Forstgerichtsbarkeit und Forstverwaltung ausüben, wovon die einzelnen Fürsten individuell Gebrauch machten. Ihnen kam so eine Unterlandesherrschaft zu. Erst mit der Märzrevolution 1848  erloschen die meisten Sonderrechte. Patrimonialrechte an Kirchen und Schulen blieben teils bis ins 20. Jahrhundert hinein bestehen.

 

Quellen:

Fischer, Adolf: Geschichte des Hauses Hohenlohe. II. Teil. Stuttgart, 1871

 

Haug, Eduard: Aspekte der Französischen Revolution. Zu deren Ablauf im ehemaligen hohenlohischen Oberbronn (Unterelsass). In: Jahrbuch für Württembergisch Franken Nr. 74 (1990), S. 295–403

 

Aus dem Leben des Fürsten Karl Joseph zu Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein-Jagstberg. In: Archiv für Hohenlohische Geschichte 2 (1870)

 

Schenk, Hans Konrad: Hohenlohe vom Reichsfürstentum zur Standesherrschaft. Die Mediatisierung und die staatliche Eingliederung des reichsunmittelbaren Fürstentums in das Königreich Württemberg 1800–1847. Swiridoff Verlag, Künzelsau 2006

 

Seibold, Gerhard: Hohenlohe und Frankreich. Ein Beitrag zur Geschichte des Fürstenhauses im 19. Jahrhundert. In: Württembergisch-Franken 71 (1987), S. 21-57

 

Stalmann, Volker: „Die Familie Hohenlohe – ein geschichtlicher Überblick“. In: Die Familie Hohenlohe. Eine europäische Dynastie im 19. und 20. Jahrhundert. Von Alma Hennig und Martina Winkelhofer-Thyri (Hg.), Böhlau, Köln, Weimar, Wien, 2013, S. 11–48

 

Wirth, Markus: Ludwig Aloys zu Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein. Marschall und Pair von Frankreich. In: Die Familie Hohenlohe. Eine europäische Dynastie im 19. und 20. Jahrhundert. Von Alma Hennig und Martina Winkelhofer-Thyri (Hg.), Böhlau, Köln, Weimar, Wien, 2013, S. 50–74

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Amt_Haltenbergstetten abgerufen am 6. Juni 2025

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Amt_Jagstberg abgerufen am 6. Juni 2025

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Amt_Braunsbach abgerufen am 6. Juni 2025

 

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